Skip to main content

Die unterschiedlichen Drehorgeltypen

Bei der Drehorgel werden verschiedene Pfeifen verwendet. Der jeweilige Einsatz dieser Pfeifen bestimmt den Drehorgeltyp. Die Harmonipandrehorgel besitzt gedackte und offene Pfeifen. Pfeifen mit einem Messingvorschlag (Gaviolibart) heißen Violinenpfeifen. Beherrschen diese Violinenpfeifen die Klangfarbe der Drehorgel, so nennt man diese Orgel Violinenorgel. Für Instrumente mit einer zusätzlichen Pfeifenkombination z.B. in panflötenähnlicher Anordnung wählte man den Namen Violinopan-Drehorgel. Dominieren Trompeten in einer Orgel, so nennt man diese Instrumente Trompeten-Drehorgel. Klarinetten-Drehorgeln sind Instrumente, die den Trompeten-Drehorgeln sehr ähnlich sind; jedoch unterscheidet sich die Clarinette (eine aufschlagende Zungenpfeife) geringgradig im Aufbau. Drehorgeln mit so genannten durchschlagenden Zungenpfeifen klingen wie eine Mundharmonika oder Akkordeon und sind ähnlich aufgebaut. Diese nennt man Meloton-Drehorgel.

Drehorgel mit Clarinetten - Clarinettendrehorgel (Clariton)

Drehorgel mit Clarinetten
Drehorgel mit Clarinetten

Der Name dieser Orgel wird durch die ursprünglich sichtbaren Clarinettenpfeifen aus Messing bestimmt. Später baute man die Clarinettenpfeifen aus Holz. Die Clarinettenpfeifen sind wie die Trompetenpfeifen ebenfalls Zungenpfeifen. In der Regel haben die Clarinettenpfeifen im Gegensatz zu den Trompetenpfeifen meist die gleiche Länge des Schalltrichters. Zungenstimmen verstimmen sich leichter als die Labialpfeifen und müssen mit Hilfe einer an der Pfeife befindlichen Stimmkrücke gelegentlich nachgestimmt werden. Clarinettenorgeln baute man mit 24, 30, 33, 35, 38, 41, 44, 47 und 50 Tonstufen. Man findet heute solche Instrumente nur noch sehr selten. Sie sind dann oft in einem erbärmlichen Zustand und die Kosten für eine Restaurierung sind sehr hoch. Dazu kommt noch die oft wenig ansprechende Klangfarbe der Orgel. Später entwickelte man Clarinettenorgeln, in denen die klangbestimmenden Clarinetten aus Holz gefertigt und im vorderen Unterkasten montiert wurden. Teile einzelner Pfeifen ragen unter dem Unterkasten etwas hervor und sind dann für das Publikum sichtbar.

Die Harmonipan-Drehorgel

Harmonipan-Drehorgel

Die typische Harmonipanwalzenorgel hat an der Frontseite sichtbare Panflöten, früher aus italienischem Rohr oder Holz, heute jedoch aus Metall. Sie ist die meistgebaute Drehorgel. Alle Pfeifen dieses Instrumentes sind Labialpfeifen. Die Drehorgel wird in 12, 18, 20, 24, 25, 26, 32, 35, 41, 43 und 45 Tonstufen gebaut. Die Orgeln sind angenehm im Klang und zeichnen sich durch dauerhafte Stimmung aus. Heute werden die Harmonipan-Drehorgeln nur noch mit Lochbandsteuerung gebaut (siehe 20er und 31er Lochbandorgel).

Die Meloton-Drehorgel

Eine Melotondrehorgel

Die Melotondrehorgel ist die preisgünstigste und leichteste Drehorgel. Sie besitzt im Gegensatz zu allen anderen Drehorgeln keine Orgelpfeifen, sondern auf Holzbrettchen kleine Metallplättchen, so genannte "durchschlagende Zungen", wie sie auch bei Mundharmonika und Akkordeon verwendet werden. Der Klang eines solchen Instrumentes erinnert daher auch an ein Akkordeon. Wie bei den übrigen Orgeln besteht das Gehäuse aus einem Ober- und Unterkasten; gesteuert wird über eine Walze. Es gab Instrumente mit 24, 26, 27, 31, 37 und 41 Tonstufen. Diese Orgeln haben einen warmen und angenehmen Klang. Neben diesen typischen Berliner Drehorgeln gab es die etwas kleineren Umhängedrehorgeln. Sie wurden in Böhmen hergestellt. Im Antikhandel wird gelegentlich in zwei unterschiedlichen Größen die so genannte Methodistenorgel angeboten, die an der etwas veränderten Bauform und dem gläsernen Deckel zu erkennen ist. In der Regel wurden hier die Holzwalzen spiralig bestiftet. Die kleine Walze ließ so die Melodien über eine Zeit von acht Umdrehungen erklingen. Ein besonderer Mechanismus sorgte am Ende des Liedes dafür, dass die Walze durch einen entsprechenden Vortrieb wieder in den Anfangsbereich zurückgeführt wird. Diese Orgel wurde vor allem in Amerika mit kirchlichen Musikstücken im Gottesdienst eingesetzt, fand aber auch mit volkstümlichen Weisen Verwendung.

Die Trompeten-Drehorgel

Trompetendrehorgel

Mit zunehmendem Straßenlärm musste die Drehorgel mit entsprechendem Schallpegel erklingen. Dazu eignen sich Holztrompeten, die im Gehäuse hinter der Fassade montiert werden. Diese Trompeten sind Zungenpfeifen, die jeweils mit einer Stimmkrücke ausgerüstet sind, damit diese, im Gegensatz zu den meisten übrigen Pfeifen, öfter gestimmt werden können. Je nach Arrangement erreicht die Drehorgel eine Lautstärke von 95 - 110 dB (A). Diese ist abhängig vom Winddruck in der Lade, der zwischen 140 und 220 mm Wassersäule liegt. Gebaut wurden die Trompetenorgeln mit 33, 38, 45 und 47 Tonstufen. Bei der 33er Trompetenorgel entfallen 9 Tonstufen auf die Trompeten, bei der 38er 10 und bei der 45er und 47er 13 Tonstufen. Diese Orgeln wurden mit schlichtem Gehäuse, häufig jedoch mit Piccolopfeifen an der Vorderseite geliefert. Bei den alten Trompetenorgeln ist die Trompete in die Melodie mit einbezogen und kann daher nicht abgeschaltet werden.

Die Cornettino-Drehorgel

Cornettino-Drehorgel

Diese attraktiv aussehenden Trompetenorgeln sind gekennzeichnet durch die auffälligen Messingcornetts. Diese Messingpfeifen sind aufschlagende Zungenpfeifen, die an der Stimmkrücke gelegentlich gestimmt werden müssen. Die kräftige Musik dieser Instrumente mit 100-110 dB (A) ist weithin hörbar. Da sich diese Orgeln leicht verstimmen, wurden sie ab 1900 nicht mehr gebaut und durch Holzpfeifen ersetzt. Auch diese Pfeifen müssen im Gegensatz zu den meisten anderen Pfeifen der Drehorgel an der Stimmkrücke, die sich an der Pfeife befindet, gelegentlich nachgestimmt werden.